Schneiden von Obstbäumen

Jeder, der sich schon einmal einen Obstbaum besessen hat, der kennt das Thema Schneiden. Er Laie wird sich sicherlich fragen, warum man überhaupt einen Baum schneiden muss. Apfelbäume oder ähnliche Gewächse gibt es ja schon seit vielen Jahren und nicht erst, seit Obstbäume kultiviert werden.

Fragen wir uns zunächst, warum man Bäume überhaupt schneidet. Zum einen hat der Schnitt pflegerische Gründe für den Baum. Die Stabilität des ganzen Baumes wird durch den Schnitt positiv beeinflusst. Wenn ein Baum sehr nach oben hin ausgewachsen ist, dann kann der Baum beim nächsten Unwetter auch schnell komplett aus der Erde herausgelöst werden.  Geile Äste können auch durch den Wind einfach aus dem Baum herausgerissen werden, damit wird der Obstbaum verletzt. Insgesamt ist also ein Faktor beim Schneiden von Bäumen, dass er an physikalischer Stabilität gewinnt.

Die nächste Sache beim Schnitt ist ebenfalls, dass der Baum gesund bleibt. Indem man den Baum winddurchlässig schneidet, werden Baumkrankheiten vermieden. Der alte Gärtner sagt an der Stelle immer, man muss den Baum so schneiden, dass der Wind durch die Äste hindurchfegen kann. Mein Großvater war an dieser Stelle der Meinung, dass durch die geschnittenen Äste ein Hut fliegen können müsste.  Wenn der Wind gut durch die Zweige des Baumes wehen kann, dann kann sich kein Pilz im Baum niederlassen. Zu den Pilzen gehören in gewisser Hinsicht auch die Baumkrebs Erkrankungen.  Aber das ist ein anderes Thema.

Durch den Schnitt pflegt der Gärtner aber nicht nur seinen Baum, sondern er erleichtert sich auch die Arbeit und optimiert die Ernte.  Äpfel trägt der Baum immer am zweijährigen Holz. Das, was der Baum also in diesem Jahr ausgebracht hat, das trägt nicht. Wenn man also die Triebe im frühen Sommer direkt nach der Apfelernte wegschneidet, dann verdichtet man den Baum. Die Ernte wird im folgenden Jahr größer. Der Schnitt nach der Ernte im Sommer nennt man den Sommerschnitt.  Der Sommerschnitt ist ein Reduktionsschnitt, das Wuchern des Baumes wird eingedämmt. Man schneidet übrigens so, dass der Baum drei Zweige behält. Drei Äste, wie man besser sagt, die im rechten Winkel zueinanderstehen.  Geile Triebe sind immer zu unterbinden.
Ein kompakter Baum ist leichter zu ernten. Die Früchte sind dichter zusammen. Man muss nicht so hoch klettern.

Neben dem oben beschriebenen Sommerschnitt gibt es auch den sogenannten Winterschnitt. Der Winterschnitt kann durchaus im Januar erfolgen. Der Winterschnitt hat eine komplett andere Wirkung als der Sommerschnitt. Im Sommer schließen sich nämlich die Gefäße des Baumes. Er bereitet sich auf den Winter zu. Da die Gefäße geschlossen sind, können auch keine neuen Zweige am Baum entstehen. Im Winter ist das etwas anders. Im Winter regt sich beim Baum schon so einiges, die Gefäße werden weit geschaltet. Die Sonne und das Licht ist durchaus ein Hormon für den Baum. Ein Schnitt setzt in dieser Zeit einen Impuls. Durch einen Schnitt wird der Baum an der angeschnittenen Stelle provoziert, neue Äste anzulegen. Aus einer Wunde, die man dem Baum zugefügt hat, wird so ein Büschel von neuen Ästen.

Die Faustregel an dieser Stelle besagt, der Sommerschnitt reduziert den Baum, der Winterschnitt fördert das Wachstum.

Beim Schneiden muss man auch darauf achten, dass die Wunden des Baumes anständig versorgt werden. Wenn eine Schnittfläche größer als ein  2 Euro Stück ist muss man die Wunde ordentlich verschließen.

 


Comments are closed.